Goethe und Napoleon

Goethe und Napoleon trafen mehrmals aufeinander (insgesamt drei Mal). Beim ersten Treffen während des Erfurter Fürstentages am 2. Oktober 1808, kurz nach 10 Uhr morgens, soll (es gibt widersprüchliche Meinungen) Napoleon zu Goethe den einfachen Satz Vous êtes un homme (oder Voilà un homme) gesagt haben. Auf Deutsch bedeutet dies nämlich soviel wie: „Sie sind ein Mann“. Anschließend sollen die beide über Goethes Werke diskutiert haben.

Dies schmeichelte Goethe wohl sehr, so sagte er 1810 zu Friedrich Wilhelm Riemer, dem Lehrer seines Sohnes:

Napoleon, der den ganzen Kontinent erobert, findet es nicht unter sich, sich mit einem Deutschen über die Poesie und die tragische Kunst zu unterhalten

Auch wenn man bei den Begegnungen auf die Idee kommen könnte, Goethe und Napoleon wären auf einer Wellenlänge gewesen, unterschieden sich die Meinungen des Dichters und des Diktators doch, wie Talleyrand wiedergibt:

„Gehören Sie zu den Verehrern des Tacitus?“
„Ja, Sire, ich liebe ihn sehr.“
„Nun, ich nicht.“

Dennoch verband die beiden etwas. So erhielt Goethe das Kreuz der Ehrenlegion von Napoleon. Goethe trug dieses Abzeichen gerne und selbst als Napoleon eine Niederlage bei Leipzig 1813 erleben muss, verteidigte er das Tragen des Kreuzes gegenüber Wilhelm von Humboldt folgendermaßen:

„Man könne doch einen Orden, durch den ihn ein Kaiser ausgezeichnet habe, nicht ablegen, weil er eine Schlacht verloren habe“

Doch Goethes Ansichten änderten sich. Über die Verbannung von Napoleon auf die Atlantikinsel Sankt Helena, meinte der Dichter zu seinem Gehilfen Johann Peter Eckermann:

„Wenn man bedenkt, dass ein solches Ende einen Mann traf, der das Leben und Glück von Millionen mit Füßen getreten hat, so ist das Ende, das ihm widerfuhr, immer noch sehr milde.“

Wer sich weiter mit der Beziehung zwischen Goethe und Napoleon beschäftigen möchte, dem sei das Buch „Goethe und NapoleonEine historische Begegnung“ von Gustav Seibt empfohlen:

Amazon Beschreibung:
Gustav Seibt schildert in seinem historischen Essay die Geschichte dieser Begegnung zweier Jahrhundertmenschen und entfaltet zugleich ein Panorama der napoleonischen Epoche. Von den französischen Soldaten am Frauenplan, die sich im Zuge der Besatzung Weimars auch in Goethes Haus einquartieren, bis zum Gipfeltreffen in Erfurt nimmt er den Leser mit auf eine unvergeßliche Reise in die Zeit nach 1800. Kaum irgendwo wird Geschichte so unverstaubt lebendig erzählt wie in diesem hinreißenden Buch, das mit geradezu detektivischer Akribie die äußeren Ereignisse rekonstruiert, ihren kulturellen und politischen Rahmen nachzeichnet und zugleich den Spuren in Goethes Denken nachgeht, die sich bis in den zweiten Teil des „Faust“ und die späten Gespräche mit Eckermann verfolgen lassen. Ein wunderbares Goethe-Buch und zugleich ein kulturhistorisches Kabinettstück in der Tradition eines Sebastian Haffner und Joachim Fest.

Quellen:

  • http://www.scienzz.de/magazin/art10153.html
  • http://hermlin.de/goethe-napoleon.html
  • http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur_und_kunst/quen_dit_monsieur_goet_1.932720.html

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